Paul Wieghardt   (26.08.1897-09.12.1969)

Malen und Lehren war sein Leben

Paul Wieghardt wurde 1897 in Lüdenscheid geboren. Sein Vater, ein Malermeister, regte ihn schon früh an, sich mit der Malerei zu befassen. Nach den Lehrjahren im väterlichen Betrieb, die ihm eine solide handwerkliche Grundlage für die spätere Malerei gab, wurde er als 18jähriger Soldat. 1917 wurde er im Trommelfeuer bei Amiens verschüttet und verlor durch Schock die Sprache, die er erst nach langer Therapie und durch eisernen Willen zurückerlangte. Während der Genesungszeit befaßte er sich eingehend mit Literatur, Architektur und Kunst und besuchte Kurse an der gerade entstandenen Fichte-Volkshochschule, durch die er auch Kontakte zur Jugendbewegung fand. Damit legte er die Grundlage für seine geistige Weiterbildung, die ihm vorher durch den Krieg versagt war.

1920 entscheidet er sich für eine künstlerische Ausbildung und beginnt ein Studium an der Kunstgewerbeschule Köln (Prof. Elsässer und Seuffert). 1923 geht er an das gerade gegründete Bauhaus in Weimar wo er bei Klee, Kandinsky, Moholy-Nagy, Feiniger und Schlemmer studiert. Vor allem Paul Klee, dessen belebendem künstlerischen Geist er persönlich verbunden bleibt, wird dem Studenten Wieghardt Vorbild für seine spätere Tätigkeit als Lehrender. In Köln lernte er die Bildhauerstudentin Nelli Bar, die bei Albiker und später bei Maillol studierte, kennen. Sie wird ihm kritische und untrennbare Lebensgefährtin. Im Herbst 1925 nimmt ihn die Dresdner Kunstakademie auf. Er wird Meisterschüler bei dem Spätimpressionisten Prof. Robert Sterl. 1931 beendet Wieghardt sein Studium mit Auszeichnungen.

Paul Wieghardt in seinem Dresdner Atelier

Einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Akademie schlägt er aus. Er geht zusammen mit Nelli Bar nach Paris, wo sie heiraten. Die nächsten acht Jahre in Paris, Portugal und Norwegen werden maßgebend für Wieghardts weitere Entwicklung. Seine Palette wird durch die neue Umgebung aufgehellt und bereichert. Bereits 1932 stellt er in drei bekannten Pariser Salons aus: Salon du Mai (heute Salon des Tuileries), Salon des Indépendants und Salon d'Automne. Kritiker werden auf sein Werk aufmerksam. 1937 erhält Paul Wieghardt eine Einladung zur Ausstellungsteilnahme im französischen Pavillon der Weltausstellung.

Bei Kriegsausbruch befinden sich die Wieghardts in Oslo. Da Nelli Bar jüdischer Abstammung ist, fliehen sie beim Einmarsch deutscher Truppen nach Schweden. Über die Sowjet-Union, Japan und Panama emigrieren sie in die USA. Paul Wieghardt gewinnt dort dank der Starthilfen, die man den Flüchtlingen aus Europa gewährte, rasch Fuß. In einer zum Atelier umgewandelten Scheune in Massachusetts malt er bereits wieder die ersten Bilder und bald ergeben sich Ausstellungen in Museen und Galerien in rascher Folge. Nach der Leitung der Malabteilung einer Sommerakademie, erhält er seinen ersten Lehrauftrag nach Philadelphia. 1946 wird er als Professor für figürliche Malerei an die Akademie des "Art Institutes of Chicago" berufen. Zusätzliche Lehraufträge an das "Illinois Institute of Technology" unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe und an das Evanston Art Center bei Chicago folgen. Zahlreiche Ausstellungen in USA und internationalen Plätzen finden statt. Museen und Sammler erwerben seine Bilder. Neben seinem Namen als Maler festigt sich Paul Wieghardts Ruf als Lehrer. Zu seinen Studenten zählten u.a. Claes Oldenburg, Robert Indiana, Leon Golub - Namen, die heute internationale Bedeutung haben.

Nach dem Tod des Künstlers, der 1969 in Wilmette bei Chicago verstarb, zeigte das Art Institute of Chicago eine umfassende Retrospektiv-Ausstellung. Auch in seiner Geburtsstadt war ein Teil dieser Bilder zu sehen. 1981 übereignete Nelli Bar-Wieghardt einen großen Teil des Nachlasses seiner Heimatstadt, der sich als Wieghardt-Stiftung jetzt im Museum der Stadt Lüdenscheid befindet.

The Red Armchair. Oil on canvas, ca. 1950, 126,5 x 101,5 cm    


Werkverzeichnis (im Aufbau) und Bestandsliste

Geleitwort zum Katalog Retrospektive Paul Wieghardt
PAUL WIEGHARDT - Farbe und menschliche Gestalt - Text von Vernon Geisel, Chicago
Ausstellungen / Exhibitions - Biographical notes (in English)
Franz Schulze: Paul-Wieghardt-Retrospective at the Art Institute of Chicago (in English)
Biographie der Bildhauerin Nelli Wieghardt-Bar (Ehefrau von Paul Wieghardt)
Erinnerungen - Biografische Notizen als pdf-Datei
Some biographical notes by Nelli Bar-Wieghardt


Last update: 2013, by wieghardt@online.de.

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